Gian-Marchet®-Geschosse. Die neue Definition weidgerechten Jagens!

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Vetterli-
Patronen


Herkunft der
10,3x60R


Neue Laborierungen

Kaliberfreigabe

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Einführung

Die Herkunft der 10,3x60R

Nun kommen wir zu der 10,3x60R. Diese Patrone ist nichts anderes als die schweizerische Version der alten britischen Patrone .450/400 Black Powder Express 2 3/8“, die um das Jahr 1880 entstand und kurz vor der Jahrhundertwende auf rauchschwache Nitropulver umgestellt wurde. Die international längst in Vergessenheit geratene .450/400 2 3/8“ Nitro Express lebt in Graubünden als 10,3x60R weiter und wird mit hochwildtauglichen Laborierungen verwendet. Mit der Gesetzesrevision im Jahre 1902 wurde die bisherige Formulierung, wonach „kleinkalibrige“ Gewehre verboten seien, durch die Vorgabe eines minimal zulässigen Kalibers ersetzt. Neben der Sorge um das Wild spielten sicher auch protektionistische Überlegungen eine Rolle, da ein Grossteil der Jäger aus finanziellen Gründen beim technischen Wettlauf nicht mithalten konnte. In Anlehnung an die alten Ordonanzwaffen (Peabody, Vetterli etc.) wurde das minimale Kaliber auf 10,4 mm angesetzt. Dadurch wurden aber gebräuchliche Waffen im englischen Kaliber 450/400 um 0,1 mm ausgeschlossen. Um das zu vermeiden, korrigierte die Regierung mit Beschluss vom 28. April 1903 das Jagdgesetz, indem sie für Jagdwaffen „eine Kaliberlizenz von 0,2 mm“ gewährte und demnach das Kaliber 10,2 mm als zulässiges Minimum erklärte.

Der Wechsel von der Kriegs- und Friedensproduktion zwang die beiden Eidgenössischen Munitionsfabriken Altdorf und Thun zur Diversifikation. Mann hat sich dabei abgesprochen. Im Jahre 1919 begann man in Thun mit der Entwicklung und Fertigung von Sportmunition, in Altdorf startete man mit verschiedenen Kalibern von Jagdmunition.

Einer dieser Patronen war die 10,3x60R Englisch Express. Diese Jagdpatrone führte bei der für den Import und Verkauf von Munition zuständigen Eidgenössischen Pulververwaltung die Nummer 102. Diese Nummerierung wurde dann auch auf den Paketetiketten angebracht. Die erste Zeichnung dieser Patrone 102 datiert vom 22. März 1919. Nachfolgend eine Zeichnung der Dimensionen der Hülse . Die 102 ist mit 1,75 g Kornpulver „Engadin 5“ geladen und verfügt über ein Teilmantel-Flachkopfgeschoss (TF). Erst ab 1947 wurde auch eine Patrone mit einem Vollmantelgeschoss (V) gefertigt, welche die Nr. 102a erhielt. Die Produktion der 102a wurde aber bereits im Jahr 1959 wieder aufgegeben, während die 102 bis 1986 hergestellt wurde.

Patrone 450/400 Englisch Express... ... auch als Patrone No 102 bekannt...

Die entsprechende Etikette
für die Jagdpatrone N° 102 sah wie folgt aus. Die fertig geladenen Patronen waren in Schachteln zu je 10 Stück abgepackt. Und eine Kiste Munition mit 500 Stück der Jagdpatrone N° 102 sah folgendermassen aus.

Die Patrone 10,3x60R No. 170

Bald einmal forderten die Jäger eine präzisere Patrone mit höherer Leistung und gestreckterer Flugbahn. Die Entwicklung zu einer neuen Patrone begann bereits im Jahre 1926. Die neue Patrone mit der Bezeichnung Nr. 170 Modell 30 (1930) war mit 3,9 g Blättchenpulver geladen und verfügte über ein wesentlich schwereres ausgesprochen langes Geschoss. Die Patrone wurde sowohl mit Teilmantelgeschossen (T) als auch Hohlmantelgeschossen (H) sowie mit Vollmantelgeschossen (V) laboriert. Die neue, weitaus stärkere Patrone hatte jedoch ihre Tücken. Sie war stark geladen und verursachte verschiedentlich Hülsen-Reisser. Deshalb wurden im Jahre 1932 Versuche mit einer Patrone mit reduzierter Ladung durchgeführt, welche sich aber nicht bewährte. Die konservativen Bündner Jäger, die mehrheitlich bei der alten und bewährten 102 blieben, und der aufziehende zweite Weltkrieg liessen das Problem der für viele Waffen zu stark geladene Patrone etwas in den Hintergrund treten.

Von links nach rechts: 170 VM, 170 TM und 170 HK...

Von links nach rechts:
- 170 VM
- 170 TM
- 170 HK

Die Patrone 10,3x60R No. 270 H-Mantel

Hier folgt ein Bericht in der "Bündner Jägerzeitung" Ausgabe vom November 1947! Dieser Artikel wurde von Herrn Luchsinger geschrieben, nachdem die ersten ballistischen Daten der damaligen neuen Patrone 270 H-Mantel herausgebracht wurden:

Ergänzungen zu den Angaben über die 270-H-Mantel Kugel-Patrone:
Ich nehme Bezug auf meinen Bericht über Verbesserungen der schweizerischen Jagdmunition in der Ausgabe der "Bündner Jägerzeitung" vom 20. Oktober 1947. Inzwischen sind die ballistischen Daten der Eidg. Munitionsfabrik über die neue 10,3x60R 270 H-Mantelpatrone erschienen. Die nachfolgenden Daten können vom Leser in die Tabelle nachgetragen werden:
Treffpunktlage mit der auf 150m eingeschossenen Waffe:

Distanz 0m 50m 100m 150m 200m 300m
Flugbahn -2cm +4,1cm +4,9cm 0cm -10,7cm -53,4cm
Geschwindigkeit (m/s) 750m/s 631m/s
Energie (Joules) 4'700 3'350

Der Gasdruck beträgt 2'400 Bar. V° beträgt 750m/s, V150 beträgt 631m/s, E° beträgt 4'700 Joules, E150 beträgt 3'350 Joules.

Patrone 270 H-Mantel Kupferhohlspitz (Foto von www.ch-munition.ch)

Eine Vergleichung der Daten mit der 270 Teilmantel ergibt Folgendes: Das Geschoss, gleich schwer wie bei 270 T, fliegt rascher und hat daher auch eine grössere Energie. Auf 150m hat sie volle 1'000 Joules mehr als die 270 T und nur ca. 200 Joules weniger als die sehr starke 170 (Anforderungen betreffend Geschossenergie auf 150m: Gams 1'800 - 2'200 Joules / Hirsch 2'000 - 2'800 Joules).

Ich erinnere daran, dass die grosse Energie der 170er Patrone durch das sehr schwere Geschoss erzeugt wird, das aber andererseits einen unangenehm starken Rückstoss zur Folge hat. Die Flugbahn der 270 H-Mantel ist aber dank dem besseren Verhältnis zwischen Ladung und Geschossgewicht besser als bei der 170er und 270er T. Die Tabelle zeigt, dass die Flugbahn-Scheitelhöhe der 270 H-Mantel bei Schussdistanz 150m nicht über 5cm hinausgeht. Bei 170er ca. 6cm und bei 270er T ca. 6,5cm. Die Streuung wird bei Verwendung eines guten Laufes auf 100m nicht über 5cm betragen. Also alles in allem eine recht gute Patrone und bestimmt eine leichte Verbesserung gegenüber den bisherigen besten Bündner Patronen 170er und 270-T. Aber es sei wiederholt betont, und die Vergleichung der ballistischen Werte bestätigen es, die neue 270 H-Mantel-Patrone eignet sich nicht für weitere Schüsse als die 270 T und V.

Der grössere Fortschritt der neuen Patrone 270-H-Mantel aber liegt nicht bei den messbaren Daten der ballistischen Leistungen, sondern wir erwartn ihn in der Geschosswirkung auf das beschossene Tier. Durch die besondere Konstruktion des H-Mantelgeschosses mit Scharfrand und Kupferhohlspitze soll eine raschere Tötung erfolgen durch Schockwirung auf das Nervensystem (rasches Niederwerfen des Tieres) und durch die zerstörende Wirkung im Körper (durch Scharfrand ausgestanzter Schusskanal, freier Schweissaustritt, Verletzung der Organe, Knochen und Muskelpartien).

Die Beurteilung, ob das neue H-Mantelgeschoss der Eidg. Munitionsfabrikation diese Bedingugen ebenso erfüllt, wie wir es bei jahrelanger Verwendung dieses Geschosses mit Patronen deutscher Herkunft mit grosser Befriedigung feststellen konnten, ist nur möglich durch sorgfältige Beobachtung und Beurteilung der Schusswirkungen in der Praxis, also bei möglichst vielen Schüssen auf der Jagd. Deshalb habe ich gebeten, es möchten alle Jäger, welche die neue Patrone bereits diesen Herbst 1947 verwendet haben, über ihre Beobachtungen berichten. Leider ist die Bekanntgabe über die Ausgabe der neuen Patrone 270 H-Mantel im Bündnerland nicht rechtzeitug möglich geworden, weshalb sie wohl erst wenige Jäger verwendet haben werden. Ich selbst hatte nur Gelegenheit, mit der 270-H-Mantel-Patrone drei Gemsen zu erlegen, leider dieses Jahr keinen Hirsch. Obwohl nur drei Schüsse kein abschliessendes Urteil erlauben, möchte ich doch über meine Beobachtungen Bericht geben.

Die erste Gams, ein 30 kg schwerer, alter starker Bock, erhielt eine Kugel auf ca. 150 m Distanz, über ein Tobel weg, ungefähr auf gleicher Höhe, zur Schussrichtung etwas schräg stehend, Einschuss kalibergross links vor Blatt, Geschoss schlägt Mitte Blatt rechts bis zur Decke durch, tritt aber nicht aus, sondern wird nach rückwärts abgelenkt. Das Tier ist am Standort sofort zusammengebrochen. Zerstörende Wirkung normal, kein Wildbretverlust.

Gams 25kg:
Die zweite Gams, ein etwas leichterer Bock, erhielt die Kugel auf ca. 50 Meter. Infolge rascher Schussabgabe in stehender Stellung bei tiefem Abkommen ging die Kugel zu tief. Das Tier ging nach dem Schuss flüchtig abwärts, ca. 80 Meter, und lag dann verendet, Magen und kleines Gescheide aus der Bauchhöhle herausgeworfen. Dieser Schuss kann für die Beurteilung der Gschosswirkung nicht in Betracht gezogen werden, da jede andere T-Patrone bei dieser Treffpunktlage wohl ebenfalls die gleiche Wirkung gehabt hätte.

Dritte Gams:
Die dritte Gams erhielt die Kugel ebenfalls auf ca. 50 Meter Distanz im Sprung schräg abwärts. Einschuss rechte Flanke kalibergross hinter Blatt. Ausschuss ca. drei Kaliber gross linkes Blatt. Herz zerfetzt. Zusammenbruch im Feuer. Wildbretzerstörung normal.

Wie bereits erwähnt, lassen diese drei Schüsse kein abschliessendes Urteil zu. Es bleibt nur zu bemerken, dass die zerstörende Wirkung im Wildkörtper normal war. Die sofort tödliche Wirkung bei Schuss 1 und 3 hätte bei den beiden Treffpunktlagen (Schuss durch Blatt und Brusthöhle) auch mit jeder anderen Patrone erreicht werden können. Schuss 2 hätte bei Verwendung einer Ganzmantelpatrone eventuell verhängnissvol werden können, wenn dann die Wirkung ausgeblieben wäre. Nachsuche, mit oder ohne Erfolg, hätte eintreten können.

Ich wiederhole meine Bitte an alle, die schon dieses Jahr die neue Patrone mit H-Mantel schweizerischer Fabrikation auf der Hochjagd verwendet haben, über ihre Beobachtungen nach obigen Beispielen der Redatkion der "Bündner Jägerzeitung" oder des "Schweizer Jägers" Bericht zu geben.


Luchsinger - im November 1947

Die Patrone 10,3x60R No. 270 TM und VM

Erst während des zweiten Weltkrieges versuchte man in Altdorf nun endlich eine Verbesserung zu erreichen. Die neue Patrone erhielt die Nummer 270. Die Nr. 270 wurde 1943 auf den Markt gebracht und war eine Patrone mit mittlerer Leistung. Die ersten Lose wurden in der Munitionsfabrik Thun laboriert. Die Patrone wurde vorerst mit Teilmantel- (T) und Vollmantelgeschossen (V) hergestellt und war mit 2,9 g Blättchenpulver geladen. 1947 kam eine mit 4,0 g Blättchenpulver geladene Patrone mit H-Mantelgeschoss dazu. Diese neue Patrone bewährte sich allerdings in keiner Weise, war doch das grosse Kaliber mit Kupferholspitzgeschoss wenig geeignet. Bereits im Jahre 1948 wurde deshalb die Produktion der mit H-Mantel Geschossen geladenen Patronen wieder aufgegeben. Im Jahre 1968 wurden Beschusspatronen mit einem Gasdruck von 3100 Bar hergestellt. Diese erkennt man an einem rund 5 mm breiten, roten Farbstreifen am unteren Hülsen-Ende, gleich über dem Patronenrand. Die Patronen mit Teil- und Vollmantelgeschossen wurden bis 1986 produziert. Ein letztes Los wurde im Februar 1986 hergestellt. Als letzte von der Munitionsfabrik Altdorf Jagdpatronen musste auch diese traditionsreiche Patrone schliesslich aus Kosten- und Rationalisierungsgründen aus dem Fabrikationsprogramm gestrichen werden. Allerdings wurde noch ein grösserer Vorrat angelegt, welcher den Bedarf der Bündner Jäger noch für einige Zeit decken dürfte.

Spezifikation der Patrone N° 270...

Die neuen Patrone 10,3x60R von RWS

Weiterhin ist vorgeschrieben, dass für die Hochjagd einläufige Büchsen ohne Magazin mit einem Kaliber von mindestens 10,2 mm geführt werden müssen. Man war also nicht bereit, von diesem doch eher veralteten Kaliber abzuweichen. Das hiess nun, dass auch weiterhin Patronen in diesem Kaliber produziert werden mussten. Dynamit Nobel AG hat deshalb im Jahre 1989 ein Versuchs-Los hergestellt mit Vollmantelgeschossen (VM), Kegelspitzgeschossen (KS) und Scheibengeschossen (SG) her. Die Patrone hat neu eine Boxerzündung. Der Patronen-Hülsenboden ist oben mit dem Hersteller RWS und unten der Kalieberangabe „10,3x60R“ gekennzeichnet.

Von links nach rechts: RWS KS, RWS VM und RWS SG...
Von links nach rechts:
- RWS KS
- RWS VM
- RWS SG

Die Packungen haben einen Inhalt von 20 Patronen. Entsprechende Versuche bei den Behörden und Jägern haben gezeigt, dass die RWS-Patronen sehr präzise sind. Sie sind zudem rasanter als die M+FA-Patronen und liegen deshalb auf 100 m rund 8 bis 12 cm höher. Probleme ergaben sich wegen dem vergleichsweise dicken Randes insbesondere bei Kipplaufwaffen und Waffen mit Fallbockverschlüssen. Ein zweites Versuchs-Los brachte Patronen mit einem schmaleren, abgerundeten Rand und einer breiteren Auszieh-Rille gebracht. Damit sind die Probleme beseitigt und es scheint, dass für die Bündner Jäger ein geeignetes Produkt in ihrem exklusiven Kaliber zur Verfügung stehen wird. Die SG-Patrone wird nicht mehr hergestellt.

Die neuen Patrone 10,3x60R von Blaser SM-Thun

Seit dem Jahre 1990 produzierte die RUAG Ammotec in Thun (Swissmun) die Patrone 10,3x60R. Es werden Teilmantel- und Vollmantel-Geschosse angeboten. Die Hülsen weisen ebenfalls Boxerzündung auf, was das Wiederladen dieser Patrone wesentlich vereinfacht. Die ballistischen Leistungen entsprechen mit 685m/s Mündungs-Geschwindigkeit als etwas schwächer als die der RWS. Dafür ist der Ballistische Koeffizient des Geschosses besser als das Kegelspitz-Geschoss von RWS. Die Präzision dieses Kalibers kann sich sehen lassen. Bei Streukreisen von 18 – 30mm bei zehn Schuss auf 100m Entfernung sind für ein solches Kaliber ein hervorragender Wert.

Links SM-Thun Teilmantel - rechts SM-Thun Vollmantel...

Von links nach rechts:
- SM-Thun Teilmantel
- SM-Thun Vollmantel

Neuigkeiten:
Die Herstellung der Blaser SM-Thun Teilmantel- bzw. Vollmantel-Munition im Kaliber 10,3x60R wird im schweizerischen Thun nicht mehr hergestellt. Die Maschinen, Pressen, Werkzeuge etc. wurde nach Fürth (Deutschland) transportiert und aufgestellt. Somit geht wiederum Schweizerische Qualitäts-Arbeit ins billigere Ausland verloren! Ob die Qualität den schweizerischen Ansprüchen entsprechen kann, wird die Zukunft zeigen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass es für die Graubündner Jäger ein
schweizerisches, hochqualitatives Produkt MADE in SWITZERLAND angeboten wird.

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Konzept: Gian-Marchet
Datum  letzte Änderung: 14.03.2010 21:15:00